Gesundheit, Gesundheitsförderung und Lebensqualität im Alter
Referent: Hans Rudolf Schelling
In einem kurzen Referat zeigte H.R. Schelling vom Zentrum für Gerontologie der Universität Zürich einen statistischen Abriss über die Bevölkerungsentwicklung in der Schweiz auf. Die Altersverteilung hat sich über die letzten 100 Jahre hinweg stark verändert, die Zahl der alten Menschen und deren Anteil an der Gesamtbevölkerung nimmt immer mehr zu. Anhand des Verlaufs der Überlebenskurve wird deutlich, dass die biologisch angelegte Lebenserwartung immer besser ausgeschöpft wird und frühzeitige Todesfälle durch Kindstod, Unfälle und Krankheiten viel seltener geworden sind.
In der Bevölkerung sind oftmals Vorstellungen über das Altern der Gesellschaft verbreitet. Ob folgende drei Aussagen auch empirischen Gehalt aufweisen oder ob sie lediglich ein Klischee sind, wurde im Verlauf des Referats geklärt.
Aussage
„Die objektive und subjektive Gesundheit nimmt mit dem Alter stark ab.“
Obwohl die objektive Gesundheit mit dem Alter abnimmt, wird die subjektive Lage von den befragten Personen über alle Altersgruppen hinweg konstant als gut eingeschätzt. Die meisten älteren Menschen fühlen sich gesund. Heute sind mehr alte Menschen gesund und unabhängig als noch vor 15–20 Jahren. Das psychische Wohlbefinden nimmt mit dem Alter sogar zu. Die Aussage, dass die subjektive Gesundheit mit dem Alter abnimmt, kann also als Klischee abgetan werden.
Aussage
„Der Anteil kranker und behinderter Menschen steigt gleichförmig mit der Zunahme der Altersbevölkerung.“
Bedeutet eine Steigung der Lebenserwartung mehr gesunde Jahre oder bedeutet sie mehr pflegebedürftige Jahre? In der Schweiz bedeutet die Verlängerung des Lebens vor allem mehr gesunde Jahre. Wie leben heute länger als früher und sind erst noch über eine kürzere Zeit hinweg pflegebedürftig. Die Aussage hat sich statistisch ebenfalls nicht bestätigt.
Aussage
„Der Pflegebedarf und die Kosten des Gesundheitswesens werden im gleichen Masse steigen wie der Anteil älterer Menschen.“
Die Langzeitpflegekosten werden mehr, in den letzten 25 Jahren haben sie sich verdoppelt bis verdreifacht. Da die absolute Anzahl der pflegebedürftigen Menschen zunimmt, nehmen auch die Kosten zu. Eine Zunahme der Kosten hat aber auch mit den immer teurer werdenden medizinischen Massnahmen zu tun. Die Aussage kann so nicht bestätigt werden, denn Prognosen, die lediglich auf der demografischen Entwicklung basieren, überschätzen die Kosten.
Über die statistischen Ergebnisse hinweg wurden Faktoren angesprochen, welche aus Sicht der Wissenschaft Einfluss auf die Gesundheit und die Lebensqualität haben, wo Prävention ansetzen kann und welche Massnahmen wo zum Tragen kommen und in Zukunft zum Tragen kommen werden. Was besonders wichtig ist, so H.R. Schelling, sei das eigene Altersbild. Ältere Menschen sollten vor allem eine positive Einstellung zum Altern haben.



