Shiatsu - Spannungsfeld zwischen Lebensphilosphie und Beruf

Unter der Leitung von Maria Eisele (Shiatsutherapeutin SGS, Journalistin und Buchautorin) diskutieren:

  • Peter Itin - Shiatsutherapeut SGS, Vorstandsmitglied SGS und Buchautor "Shiatsu als Therapie"
  • Erika Bringold - Shiatsutherapeutin SGS, ehem. Vorstand SGS
  • Veronika Rüfenacht - Shiatsutherapeutin SGS, Delegierte SGS in Xund und OdA KT

«Wir sind Hebammen für die Lebensfreude.» Peter Itin bringt auf die Frage nach der Berufung Shiatsu mit seiner Antwort auf den Punkt. Der Betriebsökonom kam durch ein Burnout auf Shiatsu und setzt sich seither aktiv im Verband für die Sicherung der Shiatsuarbeit, also den zu schaffenden Beruf ein.

Erika Bringold dagegen sieht in Shiatsu «einen Raum jenseits der Leistung», in welchem einerseits der Klient begleitet werden kann, andererseits der Therapeut, die Therapeutin auch bei sich sein kann.

Shiatsu vermittle das Willkommen, das dem Menschen nur ungenügend vermittelt wurde, wenn er auf diese Welt kommt. Es gelte, herauszufinden, welche Berührung und Unterstützung es für die Transformation braucht, sagt Veronika Rüfenacht.

Shiatsu sei in den Aussagen also ganz klar als Lebensphilosophie, als Berufung zu erkennen, folgert Maria Eisele. Steht das nicht im Widerspruch zur Bestrebung, einen eidgenössisch anerkannten Beruf zu bilden? Während der letzten Jahre habe der administrative Aufwand zugenommen und die Tendenz gehe weiterhin in diese Richtung. Besteht nicht die Gefahr, dass die Intuition und die Spiritualität, die Verbindung mit dem Himmel und der Erde durch die Bürokratie verloren geht?

Die Podiumsteilnehmden sind sich der Gefahr im Klaren, und wichtig sei es auch, dass die Schulen ihren dahingehenden Auftrag nicht vergessen. Peter Itin und Veronika Rüfenacht äussern sich klar unterstützend zur den Bestrebungen der OdA KTTC und für das Branchendiplom. Positiv an der Arbeit sei, dass die Verbände nicht mehr nur mit dem EMR, sondern auch mit den Krankenkassen wieder Direktgespräche führten, was seit 2000 nicht mehr möglich war. Man habe durch das neue Branchendiplom wieder eine Stimme. Positiv, so meinte Veronika Rüfenacht, sei diese Bewegung auch, weil sie eine bessere Anerkennung einbringe und dem Weg folgt, wie er in der Schweiz von allen Berufen gegangen wird.

Kritischer äusserte sich Erika Bringold. Sie vermisste eine Übergangslösung für ältere Shiatsutherapeutinnen, die den Aufwand eines Valdierungsverfahrens nicht mehr auf sich nehmen wollten und das Risiko eingingen, nach Abschluss des Berufsprozesses eine Abwertung zu erfahren.

Wann die Umstellung erfolgen wird, ist unklar. Peter Itin sprach von einem Zeitraum von vier bis fünf Jahren. Auf die Frage, ob Hiron Nozaki eine Chance gehabt hätte, das Branchendiplom zu erhalten und was er zu den aktuellen Entwicklungen sagen würde, meinte Veronika Rüfenacht, dass sie vor Jahren im Rahmen der Anerkennung der Ko Schule das Thema schon mit ihm diskutiert hätten. Sein Statement dazu: «The one who heals has right.»

Damit war quasi das letzte Wort der Veranstaltung gefallen und ein lebendiger und stimmungsvoller Veranstaltungstag mit anregenden Diskussionen und viel Austausch und Netzwerken entliess zufriedene Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Samstagabend. Fortsetzung folgt im nächsten Jahr.

 

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