Shiatsu – Spannungsfeld zwischen Lebensphilosophie und Beruf

Am Samstag, 16. Januar, fanden sich über 30 Shiatsu- und Komplementärtherapeuten und -Therapeutinnen und Interessierte ein, um sich gemeinsam einen Tag lang mit den Spannungsfeldern zwischen Lebensphilosphie und Beruf auseinanderzusetzen – und um die akuellsten Entwicklungen rund um den in der Schweiz neu entstehenden Beruf Shiatsu zu erfahren und zu diskutieren. Neben den Referaten und Workshops blieb in den Pausen zwischen den Veranstaltungen und beim gemeinsamen Mittagessen viel Zeit zum netzwerken und sich kennenlernen.

Hier finden Sie die Zusammenfassungen der Referate, der Workshops und des Podiumsgesprächs:

Über die Philosophie des Shiatsu-Meisters Hiron Nozaki

«Hiron hat meine Entwicklung massgebend während 25 Jahren geprägt.» Veronika Ronchin, Schulleiterin der Ko Schule für Shiatsu erzählte persönliche Begegnungen und Erfahrungen seit 1982, die Anfangsjahre der Bewegung um Hiron Nozaki im Tessin, die Jahre der Schulgründung und aus der 10-jährigen Zeit als seine Assistentin beim Unterrichten. Hiron lebte sehr einfach, trug alles in einem Rucksack bei sich und lebte mit den Jahreszeiten und der Natur.

Die Verbindung zwischen Himmel und Erde war Hiron Nozaki sehr wichtig, die Nährung und das Gehaltensein durch männliche und weiblich Energie. In seinen Kursen wurde viel meditiert und er praktizierte und vermittelte auch ein eigenes Yoga.

«Er ermutigte uns immer, nie stehen zu bleiben und in den Fluss des Lebens zu gehen, damit die Energien nicht stagnieren», erzählt Veronika Ronchin. Die Offenheit für Neues fand er wichtig, er ermutigte zum Verlassen der gewohnten Bahnen. Etwa indem man das Gegenteil vom Gewohnten macht. Es sei wichtig, dass man zwischendurch auch einmal ausbreche. Und das Leben geniesse.

Krankheiten sah Hiron als Herausforderungen, denen man sich im Leben stellen müsse. Die eigenen Probleme kommen aus den eigenen Programmen, aus den Gewohnheiten. Deshalb sagte der häufig: «Überprüft die Gewohnheiten!» Mit dem Bearbeiten des Programms wird auch das Problem bearbeitet.

Techniken & Entsprechungen
Hiron hatte keine Angst vor Übertragung: «Energie, die vom Patienten kommt, wandelt sich in positive Energie für die Arbeit des Therapeuten um.» Er konzentrierte sich beim Behandeln auf den goldenen Kern der Klienten und nutzte Intuition, Gefühle, Vorstellungen, Verstand und äussere Einflüsse gleichermassen zum Kreieren der Behandlung und Übungen - bei denen das Ausgleichen im Zentrum stand.

Hiron entwickelte eigene Systeme von Entsprechungen und Techniken. behandelte Gleiches mit Gleichem, Entsprechungen und Polaritäten. Zentral immer der Ausgleich von Yin und Yang, die Art der Liebe zu vermitteln, die die Klienten gerade jetzt brauchten, und sie an seiner starken Verbindung zu Himmel und Erde teilnehmen zu lassen.

«Alles ist gut, sagte er immer», beendet Veronika Ronchin ihren Vortrag. «Ob Du Krankheit bringst oder Gesundheit, alles ist gut. Wir wollen offen und flexibel bleiben und den Ausgleich anstreben.» Und am Schluss des Vortrags, in welchem Teilnehmerinnen und Teilnehmer Übungen ausprobiert und von ihren eigenen Begenungen mit Hiron erzählt haben, weiss man: Hiron Nozaki ist in der Erinnerung der Menschen und an der Ko Schule noch sehr lebendig.

Prozessbegleitung in der Komplementärtherapie

«Wenn wir von Prozess sprechen, meinen wir oft Zyklen», eröffnet Pascale Jacot-Descombes ihr Impulsreferat: 1 Stunde z. B. in der Therapie, eine Sitzung / eine Sequenz / eine Behandlungsserie, ein Tag / ein Anlass (z.B. Beerdigung, herausforderndes Familientreffen, eine Lebensphase, ein Leben lang oder ein Atemzug.

Sie unterscheidet verschiedene Motivationen, in einen Prozess zu gehen. Eustress: Die Neugierde, Lust etwas zu lernen, erfahren, erleben: es gibt so viel Spannendes auf dieser Welt! Und Disstress: unter Druck sein, leiden, Symptome haben.

In unsere Praxis kommen Leute in der Regel, weil sie ein Defizit haben, unter Stress leiden, also Disstress erleiden.
 

Definition zu Prozessbegleitung
Ich bin meiner Klientin ein verlässliches Gegenüber, gehe eine Beziehung ein, frage nach, begleite, bleibe am Ball, vermeide jegliche Art von Kontaktabbruch. Ich spreche Unangenehmes und das „zwischen den Zeilen“ an. Ich habe je nach Thema keine Vorstellung, wie die Sitzung zu verlaufen hat und welches das Endresultat sein soll. Ich nehme mich wahr und unterscheide zwischen dem, was KlientIn betrifft und was mich persönlich betrifft / berührt und was in mir ausgelöst wird, auch was ich körperlich, energetisch oder emotional wahrnehme. Ich spreche aus, wenn ein Thema nicht zu meinen Kompetenzen gehört oder ich mich unsicher oder unwohl fühle in Bezug zu einer Thematik oder Person.

Die 4 wichtigsten Punkte zu Prozessbegleitung sind demnach Befunderhebung, Gespräch und Behandlung sind ein Prozess in welchem wir Körper, Seele und Geist ansprechen. Das Behandeln selbst, das sich fortlaufend am ausgelösten Prozess orientiert. D.h. wir folgen jeweils dem Prozess. Veränderungen und Geschehnisse während der Behandlung werden angesprochen. Dies führt zu Bewusstwerdung und Nachhaltigkeit. Prozess ist ein Geschehen, welches Unbewusstes und Bewusstsein in Verbindung bringt.
 

Was heisst das im Shiatsu?
Es gibt verschiedene Ebenen, auf welchen wir unsere Klienten begleiten.

Geist/Gespräch: Wir Europäerinnen und Europäer brauchen das Gespräch, um uns ganzheitlich abgeholt und verstanden zu fühlen. Unsere Therapie-Form, das Shiatsu, kommt aus einer ganz anderen Kultur. Dort spielt das Gespräch nur eine untergeordnete Rolle, weil der Therapeut umso mehr all seine Sinne, seine Intuition und sein Wissen einsetzte, um einen sehr differenzierten Befund zu machen. Gut möglich, dass in alten Zeiten oder in asiatischen Kulturen die Leute damit sehr ganzheitlich abgeholt und begleitet waren. Heute wissen wir sehr viel über uns Menschen, über Psychologie, über Verhaltensweisen. Wir leben häufig sehr bewusst, haben uns mit uns selbst auseinander gesetzt, wissen schon einiges über uns selbst und möchten unser ICH ganzheitlich angesprochen haben. Grundsätzlich gilt für das Gespräch, dass wir aktiv zuhören, die richtigen Fragen stellen, im Joining sind was heisst, dass wir uns mit dem Klienten verbinden und in seine Welt eintauchen.  Über die Gesprächsführung allein kann ein mehrtägiger Kurs angeboten werden.

Körper ist in den meisten Komplementär Therapien enthalten. Im Shiatsu arbeiten wir direkt auf dem Körper, unsere Klienten werden berührt an Bauch und Rücken, Armen und Beinen, Händen und Füssen, Kopf und Nacken. Verschiedene Schichten, Tiefen und Ebenen werden angesprochen. 
 

Energie: durch das Harmonisieren der Energieleitbahnen, arbeiten wir direkt mit dem Ki, dem Chi der Klientin

Seele: Die Ebene der Seele ist je nach Therapieform oder v.a. je nach Persönlichkeit oder Wissen der Therapeutin/des Therapeuten mit einbezogen. In der Arbeit am Meridian und auf den Akupunkturpunkten sprechen wir dieses Ebene ebenfalls an. 

Übung mit Demo
Wir machen eine kleine Übung, welche stellvertretend für einen kleinen Prozess steht:

  • Sich finden – Joining
  • Bei sich wahrnehmen was geschieht, was sich verändert
  • Einen Schluss finden
  • Sich voneinander lösen / trennen

Informationen zum Validierungsverfahren Komplementärtherapie mittels Passerelle KT

Ganz frisch, vom letzten Montag seien sie, die Informationen zum Branchendiplom Konplementärtherapie der OdA KTTC (Orgsanisation der Arbeitswelt KomplementärTherapie), meint Veronika Rüfenacht, die Delegierte für die Shiatsu Gesellschaft Schweiz in Xund und Oda KTTC und informiert über Sinn und Zweck des Branchendiploms, über die Vorarbeit von 211 therapeutischen Berufen und ihren Verbänden, um endlich ein anerkannter Beruf zu werden.

Diese 211 haben den Dachverband Xund gegründet, maximal 2 Berufe wurden von Bern bewilligt. Also schied man Alternativmedizin von Komplementärtherapie, um für die beiden je einen eigenen Beruf zu definieren. Anforderungen für den Beruf KomplementärTherpeut Fachrichtung Shiatsu wurden definiert. Wer den Nachweis erbringen kann, diese Anforderungen zu erfüllen, erhält das Branchendiplom und ist damit einen Schritt weiter zum Eidg. anerkannten Berufsdiplom - dessen Kommen allerdings noch in den Sternen steht, weil hier das Bundesamt für Bildung und Technologie, das Bundesamt für Gesundheit und die Kantonalen Gesundheitsdirektionen mitreden werden.

Die Arbeit der OdA KTTC ist also hartes Brot und fast ein Kampf mit Windmühlen. Als nächstes wird in Bern eine Stakeholderanalyse und ene Funktionsanalyse ausgearbeitet werden müssen, bevor sich der Prozess einen Schritt weiter in Richtung anerkannter Beruf bewegt.
 

Das Branchendiplom
Diplomierte ShiatsutherapeutInnen können sich mittels Validierungsverfahren (genannt Passerelle KT) das Branchendiplom KT erwerben. Veronika Rüfenacht erläutert den Prozess und zeigt das Dossier, das man mit seinen Belegen zu erstellen hat. Wer sich zum Validierungsverfahren anmeldet, erhält eine CD-Rom mit allen Informationen und einem Einzahlungsschein über 1300 Franken. Lange Wartezeiten gibt es keine, man durchläuft die Passerelle in 4 Monaten. Gut, wer seine Belege schön geordnet zur Hand hat, sonst wird der erste Schritt - das Erstellen des Dossiers - zur Qual. Zwischen 60 und 120 Stunden Aufwand allein dafür müsse schon gerechnet werden.

Wer diesen Weg auf sich nimmt, erhält aber auch etwas. So zählt die Passerelle KT als ein die ganzes Jahr Fortbildung. Das Bewusstsein über die eigene Handlungskompetenz werde geschärft, betont die Shiatsutherapeutin, die eigene Berufsbiografie sei aufgearbeitet und man habe eine persönliche Standortbestimmung. Zudem erstarke die Identität durch den Austausch mit anderen Methoden. Und last but not least erhalte man einen gesamtschweizerischen Branchenabschluss.

Auch wenn man heute noch nicht abschätzen kann, wann der Zug "Beruf Shiatsu" ankommen wird, der Zug fährt jedenfalls. Alle, die das Validierungsverfahren mittels Passerelle KT machen und das Branchendiplom erlangen, unterstützen mit ihrem Obolus die Arbeit der OdA KT und die Finanzierung der nächsten notwendigen Schritte. Veronika Rüfenacht will über ihren Einsatz als Delegierte im Xund und OdA KT hinaus noch mehr tun - sie schliesst ihr Referat, indem sie allen Hilfe zusagt beim Dossier erstellen.

Open Space Workshops

Hier finden Sie Zusammenfassungen zu

  • Unterschiede zwischen Therapie und Wellness - neue Möglichkeiten, Chancen und Grenzen von Shiatsu
  • Shiatsu auf der Liege - Vor-und Nachteile, Möglichkeiten und Grenzen

Zusammenfassung WORKSHOP 1:
Unterschiede zwischen Therapie und Wellness - neue Möglichkeiten, Chancen und Grenzen von Shiatsu

Die ausgebildeten TherapeutInnen nehmen die Grenzen von Shiatsu als Wellness oder als Therapie als sehr nahe beieinander liegend war. Einige empfinden Wellness Shiatsu als Abwertung ihrer Ausbildung zum/zur TherapeutIn.

Auch besteht in einigen Kantonen der Schweiz ein Verbot sich Therapeut zu nennen und somit ist es für die Klienten schwierig zu wissen, wen sie vor sich haben. Es wurde diskutiert, dass es in diesem Falle wichtig ist, sich mit der SGS auszuweisen.

Wellness Praktiker können die Mitgliedschaft in der SGS nicht haben. (Stand Januar 2010)

Keine SGS Mitgliedschaft = kein EMR, ASCA, EGK, Visana………

Unter den Teilnehmern des Workshops zeigt sich der Wunsch nach noch klarerer Definition der beiden Berufsbilder nach Aussen.

Definition in der Gruppe: Shiatsu-Wellness-Praktiker
Wellness ist eine einmalige, in sich abgeschlossene Behandlung, welche auf Entspannung, Wohlbefinden und Leistungserhaltung ausgerichtet ist.

Shiatsu-Wellness-Praktiker haben andere Arbeitsbereiche, sie können sich anstellen lassen in Spa-, Fitness- oder Wellness Centern, in Hotels oder Kurhäusern.

Definition in der Gruppe: Shiatsu als Therapie
Die Therapie umfasst mehrere Behandlungen, was bedingt, dass sich die Klienten auf einen Prozess in irgendeiner Form einlassen.

Die Behandlungen haben den Fokus ausgerichtet auf eine Unterstützung von Menschen, die unter Beschwerden leiden und seelischen Belastungen und Krisen unterworfen sind.

Shiatsu- Therapeuten arbeiten mehrheitlich in eigener Praxis. Unbedingt anstrebenswert aber leider noch eher selten sind Anstellungen oder Anstellungen als Freischaffende in Spitälern, Rehakliniken, Altersheimen, Physiopraxen und TCM Kliniken.

Shiatsu- TherapeutInnen können auch Wellness Shiatsu anbietet, sollten es jedoch in der Werbung klar definieren, zum Beispiel: nur eine halbe Stunde, Barzahlung und als Wellness bezeichnet, nicht über Krankenkasse abzurechnen.

Zusammenfassung WORKSHOP 2:
Shiatsu auf der Liege – Vor-und Nachteile, Möglichkeiten und Grenzen

Wir haben direkt an der Liege ausprobiert. Ein Physio-Shiatsu-Therapeut, der täglich an der Liege arbeitet, hat seine Techniken gezeigt. Wir haben dabei festgestellt, dass wir die Shiatsu-Techniken anpassen müssen, damit alle Lagen möglich sind.

Die Körperhaltung ist eine Herausforderung für Rücken, Keuz- und Steissbein. Die Erdung halten und die Arbeit aus dem Hara ist schwieriger.

Vorteile für den Therapeuten:

  • Knie schonen.
  • Mit zunehmendem Alter und evt. abnehmender Beweglichkeit kann es angenehmer sein, an der Liege zu arbeiten.
  • Die Nackenarbeit wird als besser möglich bezeichnet.

Nachteile für den Therapeuten:

  • Teure Investition, je nach Art der Liege.
  • Rücken wird anders beansprucht.
  • Achtung vor Verspannung.


Vorteile für die Klienten:

  • Bei alten und kranken Leuten eignet sich die Liege oft besser.
  • Einige empfinden die Liege einfach als bequemer.

Nachteile für den Klienten:

  • Kann viel weniger Raum einnehmen.
  • Er wird weniger bewegt und muss sich immer selbst in eine andere Lagen bringen.
  • Muss die Arme halten wenn die Liege zu schmal ist.
  • Weniger Erdung.

Art der Liege:

  • Elektronisch höhenverstellbar von Vorteil, jedoch sehr teuer. Genügend breit.
  • Wenn die Liege hoch ist, darf sie wiederum nicht zu breit sein, da es sonst sehr anstrengend wird.
  • Es ist eine Herausforderung, die richtige Liege zu finden. Wir denken am besten ist es, wenn die Liege ausprobiert werden kann.

Podiumsgespräch 

Unter der Leitung von Maria Eisele (Shiatsutherapeutin SGS, Journalistin und Buchautorin) diskutieren:

  • Peter Itin - Shiatsutherapeut SGS, Vorstandsmitglied SGS und Buchautor "Shiatsu als Therapie"
  • Erika Bringold - Shiatsutherapeutin SGS, ehem. Vorstand SGS
  • Veronika Rüfenacht - Shiatsutherapeutin SGS, Delegierte SGS in Xund und OdA KT

«Wir sind Hebammen für die Lebensfreude.» Peter Itin bringt auf die Frage nach der Berufung Shiatsu mit seiner Antwort auf den Punkt. Der Betriebsökonom kam durch ein Burnout auf Shiatsu und setzt sich seither aktiv im Verband für die Sicherung der Shiatsuarbeit, also den zu schaffenden Beruf ein.

Erika Bringold dagegen sieht in Shiatsu «einen Raum jenseits der Leistung», in welchem einerseits der Klient begleitet werden kann, andererseits der Therapeut, die Therapeutin auch bei sich sein kann.

Shiatsu vermittle das Willkommen, das dem Menschen nur ungenügend vermittelt wurde, wenn er auf diese Welt kommt. Es gelte, herauszufinden, welche Berührung und Unterstützung es für die Transformation braucht, sagt Veronika Rüfenacht.

Shiatsu sei in den Aussagen also ganz klar als Lebensphilosophie, als Berufung zu erkennen, folgert Maria Eisele. Steht das nicht im Widerspruch zur Bestrebung, einen eidgenössisch anerkannten Beruf zu bilden? Während der letzten Jahre habe der administrative Aufwand zugenommen und die Tendenz gehe weiterhin in diese Richtung. Besteht nicht die Gefahr, dass die Intuition und die Spiritualität, die Verbindung mit dem Himmel und der Erde durch die Bürokratie verloren geht?

Die Podiumsteilnehmden sind sich der Gefahr im Klaren, und wichtig sei es auch, dass die Schulen ihren dahingehenden Auftrag nicht vergessen. Peter Itin und Veronika Rüfenacht äussern sich klar unterstützend zur den Bestrebungen der OdA KTTC und für das Branchendiplom. Positiv an der Arbeit sei, dass die Verbände nicht mehr nur mit dem EMR, sondern auch mit den Krankenkassen wieder Direktgespräche führten, was seit 2000 nicht mehr möglich war. Man habe durch das neue Branchendiplom wieder eine Stimme. Positiv, so meinte Veronika Rüfenacht, sei diese Bewegung auch, weil sie eine bessere Anerkennung einbringe und dem Weg folgt, wie er in der Schweiz von allen Berufen gegangen wird.

Kritischer äusserte sich Erika Bringold. Sie vermisste eine Übergangslösung für ältere Shiatsutherapeutinnen, die den Aufwand eines Valdierungsverfahrens nicht mehr auf sich nehmen wollten und das Risiko eingingen, nach Abschluss des Berufsprozesses eine Abwertung zu erfahren.

Wann die Umstellung erfolgen wird, ist unklar. Peter Itin sprach von einem Zeitraum von vier bis fünf Jahren. Auf die Frage, ob Hiron Nozaki eine Chance gehabt hätte, das Branchendiplom zu erhalten und was er zu den aktuellen Entwicklungen sagen würde, meinte Veronika Rüfenacht, dass sie vor Jahren im Rahmen der Anerkennung der Ko Schule das Thema schon mit ihm diskutiert hätten. Sein Statement dazu: «The one who heals has right.»

Damit war quasi das letzte Wort der Veranstaltung gefallen und ein lebendiger und stimmungsvoller Veranstaltungstag mit anregenden Diskussionen und viel Austausch und Netzwerken entliess zufriedene Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Samstagabend. 

Bereits im Vortrag, der aktuellste Informationen zum Validierungsverfahren Komplementärtherapie mittels Passerelle KT übermittelte, zeigte sich bei vielen Anwesenden ein Unbehagen. Soll man diesen aufwändigen Prozess zum Branchendiplom auf sich nehmen oder noch abwarten? Am abschliessenden Podiumsgespräch wurde deutlich, dass eine Übergangslösung für ältere Therapeutinnen eine intelligente Idee wäre und dass der Jahrzehnt-Prozess, in welchem sich die Berufsbildung für Shiatsu befindet, vielen heute noch nicht die Sicherheit und Garantien bieten kann, die sie vielleicht gerne hätten.

So lautete das Fazit des Tages: Es ist wichtig, die eidgenössische Anerkennung des Berufs Shiatsu voranzutreiben und in der damit einhergehenden und fortschreitenden Bürokratisierung die Intuition und Spiritualität, die Verbindung von Himmel, Mensch und Erde nicht zu verlieren. Denn, wie es Hiron Nozaki, als er mit dem Berufsbildungsprozess konfrontiert wurde, einst formulierte: "The one who heals is right."

Text: Kathrin Fischer, Bilder: Kathrin Fischer & Arie Malcus
 


Der Kongress in Bildern

Feedback zum Kongress
 

"Mit Vergnügen habe ich mir die Fotos von eurem spannenden Kongress angesehen. Ich war zum ersten Mal an der Ko Schule und war beeindruckt von der Qualität und Dichte der Workshops und der lebendigen Atmosphäre. In diesem Sinne wünsche ich euch weiterhin Inspiration und Erfolg."
R.M., Teilnehmerin am Kongress