Fruchtbarkeit  – Wie östliche und westliche Medizin den Kinderwunsch unterstützen

Am Samstag, 19. Januar 2013, setzten sich über 40 Shiatsu- und Komplementärtherapeutinnen und Interessierte einen Tag lang mit dem Thema Fruchtbarkeit auseinander.

Als erster Referent des Tages brachte Josef Müller den Anwesenden die östliche Sicht auf Infertilität, deren Ursachen und Behandlungsmethoden näher. Am Nachmittag legte Dr. med. Michael Häberle Zahlen und Fakten zu Behandlungsmethoden, Möglichkeiten und Vorgehen in der westlichen Schulmedizin in einem kurzen und prägnanten Inputreferat dar.

In der anschliessenden Gesprächsrunde mit Nadja Hedinger, einer ehemalig betroffenen Frau, und Gottlieb Spengler, einem Rutengänger, erfragte Pascale Jacot-Descombes spannende und emotional berührende Geschichten. Den Tag abgerundet hat eine Shiatsu-Behandlung, welche Veronika Rüfenacht an einer direkt betroffenen Frau vorführte. Sie hat dabei die im Laufe des Tages aufgenommenen Informationen zu einer konkreten Anwendung im Shiatsu-Alltag gebracht und die Herzen der anwesenden Shiatsu-TherapeutInnen zu berühren vermocht.

Die Teilnehmenden des gut besuchten Tageskongresses hatten während dem gemeinsamen Mittagessen und in den Pausen viel Zeit, sich auszutauschen, das Gehörte zu diskutieren und Beziehungen zu pflegen.

Unter den folgenden Links gelangen Sie zu den Kurzzusammenfassungen der Referate sowie zu den bildlich festgehaltenen Impressionen dieses anregenden Tages:

Fortplanzungsmedizin – Was ist machbar, wie weit soll man gehen?

Referent: Dr. med. Michael Häberle

Der Facharzt für Gynäkologie referiert mit viel Witz und Charme und schafft es dadurch, die vielen Zahlen, Grafiken und Fakten in seinem Vortrag alles andere als trocken darzustellen.

Fertilitätsprobleme sind sehr verbreitet. So bleibt in der Schweiz jedes sechste bis siebte Paar ungewollt kinderlos. Ungefähr die Hälfte sucht sich auf die eine oder andere Art Hilfe. Dr. Häberle nennt die Ursachen, die Sterilität beim Mann und bei der Frau verursachen können, sowie die heutig gängigen Therapieformen der westlichen Schulmedizin. Die sehr hohen Kosten lösen im Publikum Erstaunen aus.

Fruchtbarkeit hängt starkt mit dem Alter zusammen. Die monatliche Chance, schwanger zu werden nimmt mit steigendem Alter stetig und rasant ab. Wie rasant sehen Sie hier:

  • Mit 30 Jahren beträgt die monatliche Chance 25%
  • Mit 40 Jahren beträgt die monatliche Chance 10%
  • Mit 43 Jahren beträgt die monatliche Chance 1%
  • Mit 45 Jahren beträgt die monatliche Chance 0.1%

Im Verlauf des Referats spricht Dr. Häberle auch über die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Akupunktur, darüber, welche Leistungen von der Krankenkasse übernommen werden, über das Missbildungsrisiko, sowie über die Errungenschaften der letzten Jahre. Dazu gehört unter anderem, dass neu auch unbefruchtete Eizellen eingefroren werden können. Diese Vorgehensweise sei besonders beliebt bei Frauen, die ihre erste Chemotherapie vor sich hätten und sich die Möglichkeit, schwanger zu werden, nicht ganz verschliessen wollen. Weiter könne heutzutage prinzipiell schon der kleinste Embryo vor dem Einpflanzen in den Mutterleib auf alle bekannten Erbkrankheiten überprüft werden.

Abschliessend kommt Häberle auf seine Ausgangsfrage zurück: "Was ist machbar, wie weit soll man gehen?"

Was machbar sei, hat er den Kongressteilnehmenden im Verlaufe seines Referates gut darlegen können. Wie weit ein Paar tatsächlich gehen möchte, welche Methode und über welchen Zeitraum hinweg, müsse, so Häberle, in deren eigenem Ermessen liegen.

Alle Zahlen, Therapieformen und Forschungsergebnisse können Sie sich in seinen Powerpointfolien (PDF) genauer anschauen.

Die entscheidende Rolle eines Rutengängers und der Weg mit künstlicher Befruchtung

Pascale Jacot-Descombes (Schulleiterin der Ko Schule) war im Gespräch mit

  • Nadia H, ehemals Betroffene, heute Mutter von Zwillingen
  • Gottlieb Spengler, Landwirt und Rutengänger

„Nach siebeneinhalb Jahren hatte ich acht erfolglose In-Vitro-Fertilisationen hinter mir.“
Nadia, heute 36, hatte den Kinderwunsch lange mit sich herumgetragen. Als sie zwei Jahre nach ihrer Hochzeit noch nicht schwanger war, liessen sie und ihr Mann abklären, ob alles in Ordnung war. Das Problem der verlangsamten Spermien ihres Mannes wurde behoben, doch noch immer klappte es nicht.

„Schliesslich war der Kinderwunsch so gross, dass wir uns für den nächsten Schritt entschieden. Ich hätte mir das früher nie vorstellen können.“
Sie suchten einen Spezialisten auf und liessen eine Insemination machen. Erfolglos. Der Spezialist riet darauf zu In-Vitro-Fertilisation. Aufgrund zu starker Stimulation hat Nadia in der Folge unter grossen Schmerzen 27 Eizellen produziert. Alle wurden künstlich befruchtet. Drei davon wurden direkt im Mutterleib eingepflanzt und der Rest tiefgefroren, um sie bei Bedarf wieder auftauen und einsetzen zu können. Wiederholt hat Nadia ihr Kind nach nur wenigen Wochen verloren.

„Es war eine grosse emotionale und finanzielle Belastung für uns als Paar.“
Zeitweise gab es keine anderen Themen mehr als den Kinderwunsch. Zusammengehalten hat das Paar die vielen offenen Gespräche, die sie während dieser Zeit geführt hatten. 

„Wenn der Kinderwunsch wirklich gross ist, rate ich zu einer möglichst frühen Abklärung.“
Diesen Rat gibt Nadia aus ihrer jetzigen Erfahrung hinaus betroffenen Paaren. Danach könne entschieden werden, welcher Weg sinnvollerweise verfolgt wird.

„Und dann traf ich Gottlieb Spengler.“
Die grosse Wende tritt ein, als sie über eine Bekannte von Gottlieb Spengler hörte. Diese Begegnung änderte das kinderlose Schicksal des Paares. Die neunte In-Vitro-Fertilisation verlief erfolgreich und heute sind sie und ihr Mann glückliche Eltern von einjährigen Zwillingsmädchen. 

Was hat Gottlieb Spengler für das Paar getan? Der pensionierte Landwirt ist seit über fünfzig Jahren Rutengänger. Dank ihm haben Nadia und ihr Mann erfahren, dass in ihrer Wohnung direkt unter zwei häufigen Aufenthaltsorten von Nadia Wasseradern verlaufen, welche den Verlust der Embyonenbeeinflusst hatten. Sie veränderte den Schlafplatz, und den Ort der Couch - und drei Monate später konnte sie ihre Zwillinge erfolgreich halten und austragen. 

„Die Fähigkeit ist nicht lernbar, es ist eine Berufung.“
Im Gegensatz zum Pendeln ist die Tätigkeit eines Rutengängers nicht erlernbar. Spengler spürte bereits als junger Mann auf dem Bauernhof seines Vaters, dass er berufen war. „Man sagte mir allerdings, ich solle damit warten bis ich 30 bin.“ Seither hat er sich auf Fruchtbarkeit spezialisiert und wird immer wieder von Familien mit unerfülltem Kinderwunsch gerufen. Seit seiner Pensionierung hilft er ca. 400 Familien pro Jahr, auch im nahen Ausland. Er wird allerdings nicht nur wegen unerfülltem Kinderwunsch gerufen. Häufig werde er auch kontaktiert, wenn es darum geht, ein Objekt zu mieten oder zu kaufen.

Erfolg spricht für ihn
Sein Erfolg ist bemerkenswert. Drei bis vier Monate nach seinen Besuchen wird die Frau in der Regel schwanger. „Ich bekomme ca. 100 Briefe im Jahr von Frauen, die ein Kind geboren haben und sich auf diesem Weg bei mit bedanken.“

Ratschlag des Rutengängers
Bei Schwierigkeiten schwanger zu werden rät der Rutengänger: „Bevor ihr mit Hormonen arbeitet, lasst abklären, ob nicht Wasseradern der Grund für die Unfruchtbarkeit sind. Eine solche Vorgehensweise schadet dem Körper weniger und ist erst noch billiger!“

„Ich habe in meinem Leben kein einziges Inserat gemacht.“
Der Rutengänger wurde ausschliesslich durch Mund-zu-Mund-Propaganda bekannt. Auf die Publikumsfrage, woran man einen vertrauenswürdigen und kompetenten Rutengänger erkenne, antwortet Spengler: „Wenn jemand viel Werbung für sich macht und teure Utensilien zu verkaufen versucht, rate ich, die Finger davon zu lassen.“

Wer gerne mehr über Gottlieb Spengler aus Schaffhausen und seine Tätigkeit als Rutengänger erfahren möchte, kann sich einen Fernsehbeitrag aus dem Jahr 2001 anschauen.

 

Fruchtbarkeit unterstützen mit Shiatsu

Shiatsu-Therapeutin: Veronika Rüfenacht

Die direkte Umsetzung im Shiatsu-Alltag dessen, was im Verlaufe des informationsreichen Tages vermittelt wurde, demonstriert Veronika Rüfenacht anhand einer Behandlung mit einer direktbetroffenen jungen Frau. 
Wie die Kongressteilnehmenden erfahren haben, ist Chong Mai der Schlüsselmeridian zur Behandlung von Fruchtbarkeitsstörungen bei Frauen. Veronika Rüfenacht zeigt den Anwesenden, wie dies in der Shiatsu-Praxis direkt umgesetzt werden kann.

Vorgespräch
Als Einstieg führt sie mit ihrer Klientin ein Vorgespräch. In diesem erzählt die junge Frau offen und reich an nützlichen Hintergrundinformationen die gemeinsame Geschichte mit ihrem Ehemann, über ihre Menstruationsbeschwerden, über weitere gesundheitliche Probleme sowie über ihren emotionalen Zustand.
Im Gespräch klärt die erfahrende Therapeutin auch ab, woher der Kinderwunsch kommt, wie sie sich als zukünftige Mutter sieht und was für Gefühle sie damit verbindet.

Behandlung auf dem Futon
Nachdem sich die Klientin in eine ihr angenehme, liegende Position gebracht hat, bereitet sich Veronika Rüfenacht mental auf die Behandlung vor. Nach dem Leitsatz „Medizin ist Absicht“ formuliert sie für sich – und zur Demonstration für die Anwesenden – die Absicht, in Kontakt mit der Energie des ausserordentlichen Gefässes Chong Mai treten zu können. Dies geschieht über den Öffnungs- und Koppelungspunkt Perikard 6 und Milz 4. Chong Mai stellt die Verbindung zwischen dem Herzen und dem Uterus her.

Nach der Behandlung
Die Klientin hat sich, für alle sichtbar, wesentlich verändert. Ihr Bauch, der zuvor gespannt, eher kühl und leicht feucht war, ist mittlerweile weicher geworden und fühlt sich warm an.

Den anwesenden Shiatsu-TherapeutInnen rät Veronika Rüfenacht, einfach auszuprobieren. – Das zu machen, worauf sie Lust haben, und sich dann voll und ganz darauf einzulassen. „Lasst euch beeindrucken von dem, was an ‚Mehr‘ in euch drin steckt!“

Mit diesen abschliessenden und ermutigenden Worten klingt der vierte Tageskongress an der Ko Schule authentisch aus.

Text von Céline Jacot-Descombes
 


Der Kongress in Bildern

Feedback einer Kongressteilnehmerin

„Die Referenten hätten nicht besser gewählt sein können. Jeder einzelne Beitrag hat mich gepackt.“